Im letzten Sommer hätte das hier keiner unterschrieben. Wer der FSG Gräveneck/Seelbach/Falkenbach nach den ersten Wochen den Aufstieg in die Kreisliga A vorausgesagt hätte, wäre vermutlich ausgelacht worden. Heute ist er amtlich. Und weil der Weg dorthin alles andere als gerade war, lohnt sich der Blick zurück auf eine Saison in zwei sehr unterschiedlichen Hälften.
August: Ein Fehlstart, der wehtat
Der Start in die Saison 2025/26 lief gegen alles, was man sich vorgenommen hatte. Am ersten Spieltag setzte es ein 0:2 gegen den TuS Linter. Wenige Tage später, am 24. August, kam es noch dicker: Gegen die SG Oberlahn II ging die FSG mit 2:6 unter. Das war kein Ausrutscher, das war ein Schlag, der saß. Die Mannschaft suchte sich noch, die Ergebnisse blieben aus.
Der Kirmessieg, der wieder Mut machte
Mitten in dieser schweren Phase kam der Moment, der zeigte, dass in dieser Truppe mehr steckt. Am Kirmeswochenende, mit dem entsprechenden Druck im Nacken, war es Marvin Heimerl, der den Sieg sicherte. Ein Tor, über das im Dorf noch lange gesprochen wurde. Es löste nicht alle Probleme, aber es gab den Jungs etwas zurück, das zuvor gefehlt hatte: das Gefühl, gewinnen zu können.
Ein Trainerwechsel und ein neues Fundament
Zäh blieb es trotzdem. Ende Oktober verlor die FSG das Hinspiel in Bad Camberg nach großem Aufwand mit 1:2. In dieser Phase übernahm Steffen Reh das Traineramt von Rohletter. Reh brachte Ruhe rein, stabilisierte die Defensive und gab der Mannschaft den Glauben an die eigenen Stärken zurück. Dass er im Winter aus beruflichen Gründen aufhören musste, war bitter. Das Fundament für die zweite Saisonhälfte hatte er aber gelegt. Dafür gebührt ihm Dank.
2026: Nguyen und Gaceanu drehen das Ruder
Mit dem Jahreswechsel begann eine andere Geschichte. Long Nguyen und Bogdan Gaceanu übernahmen als Spielertrainer-Duo und gaben die Richtung vor. Was dann folgte, hatte vorher kaum jemand erwartet: Im kompletten Kalenderjahr 2026 blieb die FSG in der Liga ungeschlagen. Woche für Woche.
Stellvertretend für diese Phase steht der Nachmittag in Hirschhausen. Auf einem winzigen Platz, gegen einen Gegner, der jeden Zweikampf zur Grätsche machte, holte die FSG einen 2:1-Arbeitssieg. Genauso steht die Haltung von Tristan Frühwirth dafür: Nasenbruch, und eine Woche später stand er wieder auf dem Platz. So eine Mannschaft verliert nicht oft.
Mehr als Fußball: der Sieg für Erich Kohl
Mitte Mai wurde der Fußball für einen Nachmittag nebensächlich. Beim Auswärtsspiel in Niederbrechen lief die FSG mit Trauerflor auf, vor dem Anpfiff gab es eine Schweigeminute für den langjährigen Platzwart Erich Kohl. Er hat über Jahre alles für unsere Plätze und diesen Verein gegeben. Die Mannschaft gewann an diesem Tag mit 2:1, und dieser Dreier galt ihm.
Der Dorndorf-Effekt öffnet die Tür
In der Schlussphase der Saison kam dann die Nachricht, die alles veränderte. Durch den Rückzug des FC Dorndorf bedeutete Platz 3 nicht mehr die Relegation, sondern den direkten Aufstieg. Die Tür stand offen. Jetzt musste die FSG nur noch hindurchgehen.
92. Minute: Maxi Schön köpft die FSG nach oben
Am 17. Mai kam es zum Heimspiel gegen Bad Camberg/Dombach, ausgerechnet gegen die Mannschaft, gegen die man im Herbst noch verloren hatte. Was folgte, war ein Spiel mit allem: Bogdan Gaceanu verschoss in der 39. Minute einen Elfmeter, kurz vor der Pause erzwang Alex Schön das 1:0, Bad Camberg glich in der Nachspielzeit aus. Nach der Pause lag die FSG mit 1:2 zurück, drehte die Partie durch Miles Oesterling (57.) und einen Kopfball von Gaceanu (59.) auf 3:2, kassierte per Elfmeter das 3:3 und stand kurz vor dem Remis.
Dann die 92. Minute. Ecke Gaceanu, Maxi Schön steigt am höchsten und köpft zum 4:3. Platzsturm an der Friedenseiche. Und weil Oberlahn II und Linter zeitgleich Punkte ließen, war es danach amtlich: Aufstieg in die Kreisliga A.
Zum Schluss, fast nebenbei: 2:0
Das letzte Saisonspiel gegen Selters/Erbach II war dann eher Beiwerk. Ein großer Kick wurde es nicht, Selters fand vorne kaum statt, die FSG machte aus ihren Gelegenheiten das Nötige. Marco Konrad traf, und Tristan Frühwirth legte nach seiner Einwechslung das 2:0 nach. Schöner Nebeneffekt: Spielertrainer Long Nguyen brachte 19 Mann in den Kader und schenkte jedem seine Minuten, ein Dankeschön an alle, die diese Saison getragen haben. Mit dem 2:0 beendet die FSG die Runde zu Hause ungeschlagen und als Erster der Heimtabelle.
Was bleibt
Von einem 0:2 zum Auftakt und einem 2:6 im August bis zum direkten Aufstieg, dazwischen ein Trainerwechsel, eine Rückrunde ohne Niederlage und ein Verein, der in den schweren Momenten zusammenstand. Das hat sich diese Mannschaft erarbeitet, und nicht nur die Erste. Auch die Zwote, die trotz einer schweren Saison jeden Sonntag mitgezogen hat, gehört dazu. Die FSG Gräveneck/Seelbach/Falkenbach ist zurück in der Kreisliga A.